Mittwoch, 30. Mai 2012

- LIX - It's not easy to be me

Auf dem Weg in die Zukunft bleibe ich stehen, sehe in einen Spiegel und betrachte mich, nehme Unebenheiten wahr, die Abdrücke einer schweren Vergangenheit, die die Augen schwächte, das Gehör nahm, die Zunge lahm legte und Gefühle zerriss, die Gedankenlosigkeit spendete.


Wer weiß, was mir alles passieren wird? Wer weiß, was mir alles passiert ist? Vielleicht ist vieles nurnoch die Fantasie, mein halbes Leben ein Traum, der mit der Realität verschwamm und wahr wurde. Und doch zeigen mir die sichtbaren Narben die Wahrheit, die durchlittenen Schmerzen, während die stillen Risse im Herz, in der Seele, noch schmerzen und mich Tag für Tag herunter drücken. Alleine die Abgrenzung dieser lässt mich Leben, den Weg weiter bestreiten.


Es ist der Schreiber, der Autor und Verfasser großartiger Texte, der das Leben bestimmt, Taten vorschreibt, den Weg in die Zukunft weist. Es ist sein Weg, sein gewählter Pfad, dem ich folgen will, für das Heil meiner Seele. Denn was würde passieren, wenn ich mich dagegen stelle und meinen Geist zerreiße?

Samstag, 26. Mai 2012

- LVIII - Der Stillstand im Leben

Irgendwann fange ich an zu verstehen, dass auch die Zeit mich im Griff hat, dass ich ihr nicht entkommen kann, so sehr ich mich auch dagegen wehre.

Seit Stunden stehe ich nun schon hier, starre in die Luft vor mich und lausche den Gesprächen vorbeikommender Passanten, während sie mich keines Blickes würdigen, mir mit ihrer Ignoranz das Gefühl geben unsichtbar zu sein.

Selten ist es geworden, das Gefühl beachtet zu werden; die Wärme, die in das Gesicht wandert. Und so kühle ich ab, werde ignoranter, trauriger, einsamer. Und mit jedem weiteren Teil, das zur Statue wird, wird das Gefühl stärker nicht zu existieren, einer Kaste anzugehören, die von alles Missachtet wird. Ein Gefühl, unberührt zu sein...


Dienstag, 22. Mai 2012

- LVII - Strandspaziergang

Die Motivation geht immer von mir aus, ich bin der Anfang und das Ende meiner Taten. Egal ob es das Schreiben, das Laufen oder die Musik ist, ohne den Eigenimpuls würde es verkümmern - tut es das manchmal auch.
Bewusst zerstöre ich mich selbst, bring mich in unmögliche Situationen, um zu verzweifeln, das Gefühl der Hilfslosigkeit zu verspüren. So gesehen bin ich für die Niederlage motiviert, bewaffnet mit dem Selbstbewusstsein des Löwen aus 'The Wonderful Wizard of Oz'.


Inzwischen sitze ich am Strand, starre auf die Wellen hinaus und lausche dem freudigem Kindergeschrei, während die Sonne mich anstrahlt, meine Haut rot färbt und die Brandblasenbildung voran treibt. Stunden verharre ich so, sehe Menschen kommen, Menschen gehen, die mich nicht beachten, während ich ihre lachenden Gesichter betrachte, die Freunde und Unbeschwertheit spüren kann. Und irgendwann sitze ich alleine da, versuche mich aus dem Sandhügel zu befreien der meine Beine in einem eisernen Griff hält.

Erst nachdem die Sterne am Himmel zu sehen sind gebe ich auf, lasse mich fallen und seufze der angenehmen Kühle entgegen...

Sonntag, 20. Mai 2012

- LVI - Kapitel 1 & 2 *

Kapitel 1 - Das Kind vom Strand

War es meine Aufgabe gewesen? Kein Zufall, sondern Bestimmung? Immer wieder frage ich mich das, während ich hier sitze und schreibe, meine Worte finde, meine Geschichte aufschreibe, um sie irgendwann der Nachwelt zu hinterlassen.
Die Stotterzunge war der damalige Protagonist gewesen, verletzt, dem Tode nah. Das Meer hatte sie zu mir gespült, der Wind meinen Namen geflüstert, wollte die Erde eins ihrer Kinder nicht verlieren. Was wäre ich heute ohne dieses Kind? Ohne diese junge Frau, die meinen Mantel nahm um sich zu wärmen, die meine Worte verschluckte und mir ihre Dankbarkeit entgegen brachte?
Der Bücherwurm war gefangen in einem kleinem Körper, verletzlich und hilfsbedürftig. Ohne darüber nachzudenken half ich ihr, spendete ihr die Wärme, die Freundlichkeit, Liebe. Die Liebe, die ein Elternteil seinem Kind entgegen zu bringen hatte.
Mit dem Mädchen habe ich einen weiteren Teil der Menschlichkeit - des Lebens - gewonnen, einen Pfad auf der Erde entdeckt, der mir bis dahin verschlossen war. Wie bei jedem Weg kenne ich das Ende nicht, weiß ich nicht ob es mir die Erfüllung und Befreiung gibt, doch das zählt nicht. Es fühlt sich richtig an.
Ich rettete nicht nur sie, auch Bücher und längst vergessene Worte fielen unter den Schutz meiner Flügel, so dass ich ihr am Ende mein Wort gab, ihr versprach immer für sie da zu sein.
  
Kapitel 2 - Von Wölfen und Lämmern

Das Leben hat viele verstrickte Pfade, viele uneinsichtige Wendungen. An manchen Ecken warten Dornenbüsche, an anderen die steile Klippe. Man weiß nie, an welcher Kreuzung, welcher Ecke man die Kontrolle verliert und irgendwo verschwindet, sich verletzt oder verändert.
Wer ist der Wolf, wer das Schaf? Und wo ist der Hirte? Inzwischen weiß ich nur noch, dass ich nicht der Wolf bin, es nie war. Eher würde das Schaf zu mir passen, das sich in den Wolf verliebte, seine Reinheit verlor, weil es etwas böses an sich heran ließ und sich hingebungsvoll opferte, das Leben in der Herde aufgab. Weil es dumm war. Und naiv. Dennoch kann das Schaf nicht anders, als an den Wolf zu denken...
Ich wurde weggeschickt, zum Ersten mal - musste gehen, weil meine Anwesenheit nicht ertragen wurde, nurnoch alles schlimmer machte. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt verstand.

Sonntag, 13. Mai 2012

- LV - Nächtliche Gedanken

Wieder habe ich im Mantel der Nacht keinen Frieden gefunden, muss die Maske der Resignation aufsetzen und alles auf mich zukommen lassen.


Tage sind vergangen; Nächte, die ich auf dem Balkon vor meinem Fenster verbracht hatte und das photografische Bild des Himmels betrachtete. Während dieser Zeit fing ich an etwas zu vermissen, die Wärme, die mich umfing aber nie die Gedanken erreichte, die Schönheit, die immer allgegenwärtig aber doch so weit weg war, der Frieden, ein unerreichbares Ziel, das vermutlich erst im Tod auftreten wird.

Dienstag, 8. Mai 2012

- LIV - Das Leben am Rand des Abgrunds

Schnell geht mein Atem, das Herz schlägt in einem unbekanntem Tempo, zerreißt den Brustkorb und wird zu einem schmerzenden Hämmern das nicht aufgehalten werden kann. Neben dem ständigen Geräusch des ausgestoßenen Atems erklingt das Geräusch schnell auftreffender Füße auf dem Boden, was meinen Körper jedes mal zum Vibrieren bringt. Schon längst nehme ich die Natur nicht mehr wahr, hetzt wie ein Gejagter durch sie; an Bäumen vorbei, durch Büsche hindurch, über Stock und Stein. Und irgendwann erreiche ich eine Lichtung, stolper über den Rand, schaue nicht zurück, nicht nach vorne, kenne nurnoch den Drang in Bewegung zu bleiben. Ein Drang, der so stark ist, dass ich nicht einmal den Graben erkenne, den Abhang, über den ich mit langen Schritten springe...


Schon oft hatte ich das Bild vor mir, ein Abgrund vor dem ich stehe, in den ich springe, in den ich falle, weil ich mich nicht entscheiden kann. Alltäglich wander ich am Grat von Leben und Tod, greif mal hinüber, schaue herunter und lächel leicht, während mich an anderen Tagen ein Gefühl der Übelkeit überkommt, wenn ich auch nur eine Sekunde zu lang herunter schaue.

Am Ende sitze ich im Gras vor der Klippe, starre in den Himmel und seh der Sonne beim untergehen zu, genieße den Regen und werde mir der Mehrdeutigkeit dieses Ortes bewusst, der Tiefe des einen Gedankens, der weit über das Ende hinaus geht. Ich erkenne die Angst, die Sorge, das Aufgeben, die Hoffnung, den Mut, die Zuversicht - das Leben.

Ich bin zum Zuschauer verkommen, dem ewigem Betrachter, der still und leise in der glühenden Hitze steht, im Regen sitzt, im Sturm verweilt und im Chaos ruhig bleibt.

Samstag, 5. Mai 2012

- LIII - Die "letzte" Nachricht

Seit Äonen dreht sich die Welt, etwas Neues wird erschaffen und Altes zerstört. Die Zeit wandert einfach weiter, unbeeindruckt von all dem. Und mitten drin stehe Ich, unbedeutend und klein, bin nicht einmal eine Ameise auf dem Spielbrett des Lebens. Denn während sich alles um mich herum verändert - Häuser immer höher gebaut, Straßen immer länger gezogen und die Fahrzeuge noch schneller werden - bleibe ich gleich, stehe auf dem Fleck, dem Mittelpunkt um den alles herum passiert, ohne selber ein Teil der Veränderung zu sein.

Viele Jahre stand ich da, regungslos, eine Statue meiner Selbst, während Sorgen wie Wellen auf mich einbrachen. Zu einer Götze war ich geworden, einer Vase voll von Sorge und Angst, so wie es sich gehörte. Mein offenes Ohr, meine Stille schenkte Befriedigung; ich nahm die schweren Steine auf mich, die jeder zu tragen hatte.

Behaltet mich in Erinnerung, das ist der einzige Wunsch den ich habe. Erinnert euch an das lachende Gesicht, das ich irgendwann verlor, behaltet die Erinnerung an die Worte, denn diese sind meine Letzten.


Ich muss gehen, verschwinden und entweichen in die Flammen der Hölle oder kalte Vergessenheit, je nachdem, was ich schlussendlich glaube. Doch irgendwann muss jeder gehen, gehört es doch zum Leben dazu - ist nur ein Teil des ewigen Kreislaufes.

"Ich will nicht sagen, weinet nicht. Denn nicht alle Tränen sind von Übel." Nur lasst nicht zu, dass sie über euch regieren, möchte ich dass ihr mit Freude an mich denkt, im Lachen über mich redet, das Schöne in Erinnerung behaltet. Denn damit ehrt ihr mein Andenken, mein Wirken...