Freitag, 29. Juni 2012

- LXIII - Sommerlicher Maskenball

Hell leuchtet der gelbe Ball am Himmel, vertreibt die schwarz-weiße Färbung und erfüllt mit wärmenden Strahlen das Herz, beruhigt den Kopf und nimmt die Kälte, die bedrückenden Gefühle ab, spendet Freiheit, Gelassenheit.

Leises Wellenrauschen dringt an meine Ohren, das Gelächter von Anderen, laute Rufe. Seit Stunden schaue ich den Menschen zu, zähle stumm mit und vergesse wieder und wieder die Zahl, beobachte Kinder beim Spielen und Erwachsene beim Baden im kühlen Wasser, in der verfärbenden Sonne.

Immer wieder strecke ich die frisch bemalte Maske gen Himmel, tauch sie in die Sonne, um die Farbe trocknen zu lassen, das genießerische Lächeln fest zu halten, das der Sonne entgegen lacht, den Sommer mit offenen Armen empfängt. Damit nach den zahlreichen Proben die Makel und Fehler ausgemerzt sind, die Maske zur Perfektion getrieben wird.


Mittwoch, 27. Juni 2012

- LXII - Abgründe zweier Welten

Wie ein Soldat zieh ich in den Krieg, doch komm nie vollständig zurück. Erinnerungen, Narben, all die seelischen Abgründe die festhalten und nicht loslassen, mit undurchtrennbaren Wurzeln dafür sorgen, dass ich nicht weglaufen kann.

Bomben schlagen neben mir ein, bringen die Erde zum beben und verursachen Kopfschmerzen, so dass mir schon das Blut aus den Ohren heraus läuft und ich nichts mehr hören kann. Ohne Verständnis stehe ich auf dem Wall und starre hinaus auf den Horizont, versuche eine Antwort zu finden, eine Erklärung für all dies. Vergebens, kann ich in all dem Lärm keinen Gedanken fassen, kein Wort ergreifen, das auch nur Ansatzweise das Geschehen erklärt. Während Staub und Dreck auffliegt, von den Explosionen in meine Richtung getragen wird, empfinde ich den Schmerz des Versagens, die Niedergeschlagenheit der Niederlage, weil ich versagt habe, nicht beschützen konnte, obwohl ich es versprochen hatte.

 Tropfen treffen auf die Haut, heiß und verletzend, spüre ich jeden Einschlag tief in der Seele und schrecke davon auf, die Augen weit aufgerissen, Angst versprühend. Und ich laufe davon, versuche dem Regen zu entkommen, der so tief in mich eindringen kann...

Sonntag, 10. Juni 2012

- LXI - Die Wanderung

Das Leben schreibt viele Geschichten, mal kürzer, mal länger. Es gibt keine Garantie, keine Sicherheit, dass sich nicht etwas ändern könnte - zum Glück, zum Pech mancher. Die einzige Möglichkeit ist es zu hoffen, einfach weiter zu laufen, dem Faden zu folgen, bis das Ende erreicht ist.

Sollten wir nicht genau dann entscheiden ob die Geschichte schön war, ansprechend, belebend und erfüllend?


Ich will wandern, plane und überlege; will überraschen - mich, sowie andere, Freunde. Ich will etwas ändern, mich selber finden und dabei der Welt ein Teil von mir hinterlassen. Ich will schreiben, eine Geschichte finden, auch wenn es meine ist, und sie festhalten, ein Werk in den Händen halten. Ich will singen, die Erfüllung, die Freude wieder finden, sie mit anderen teilen und mich leiten lassen.

Ich fasse einen Entschluss, eine Entscheidung, und lebe mit dieser, richte mich nach dieser aus und mache das Beste draus. Um endlich etwas zu haben, die Gewissheit; um endlich zu Leben, mit gutem Gewissen.

Sonntag, 3. Juni 2012

- LX - Sternenwanderer

Wann habe ich aufgehört die Sternen berühren zu wollen, sie vom Himmel zu holen? Warum verlor ich den Mut, die Lust, die Klarheit einen Stern fest zu halten, ihn niemals los zu lassen?

Im Mantel der Nacht wandern, weil ich mich nicht verstecken muss; wie gerne würde ich dies nun tun, den Körper abkühlen, den Geist erfrischen. Doch ist es schon längst nicht mehr machbar, viel zu belastend, zu anstrengend. Denn die Sterne sehen auf mich herab, beobachten und sind die schweren Steine in meinem Geist, so dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann, einfach alles abschalte und vergesse zu leben.

Mit Träumen beschenkt liege ich gequält im Bett, kann und will nicht schlafen, versuche Wach zu bleiben. Um nicht erneut eine Welt zu betreten die nicht meine ist - eine Welt, in der ich nicht Zuhause bin. Und immer öfter verliere ich mich in der Meinen, entschwinde mit dem Geist in meine Worte, die unaufhaltbar fließen, nicht gestoppt werden können.

Ich will Schreiben, das Leben vergessen und in der Welt versinken die ich kenne. Und ich will nie wieder zurück kommen...