Dienstag, 31. Juli 2012

- LXVII - Der Ritt des Lebens

Leises Schnauben zieht mich in die Realität zurück, während sie mir wie Zügel aus den Händen gleitet und ich die Kontrolle verliere. Hilfe suchend drücke ich die Füße nach unten, doch finde den Boden nicht, habe ihn verloren und für einen deutlich schwächeren Untergrund, einen anderen Sattel, eingetauscht. Übrig bleibt das Festhalten und Hoffen. Dass der Sattel hält, die Welt auf der ich reite sich wieder beruhigt oder mir irgendwie die Zügel wieder in die Hände fallen.

Mein Leben ist ein störrisches Pferd, ungebändigt und nicht einreitbar. Weil immer wieder Etwas kommt, das das Pferd durchgehen lässt, das Leben beeinflusst und Angst schafft, es mir unmöglich macht Ruhe in den Alltag zu bekommen.

Irgendwann liege ich einfach nur still da, starre in den Wolkenlosen Himmel während die Welt unter mir sich weiter bewegt, die Sterne wandern und ich dennoch das Gefühl habe regungslos zu verharren. Und wieder einmal wird mir klar werden, dass das Leben lang ist, dass dieser Ausritt nie enden wird, weil es immer irgendwie weiter geht.

Donnerstag, 26. Juli 2012

- LXVI - Das Orchester der Seele

Leise klopft der Regen an mein Fenster, lockt mich heraus und streichelt meine Haut, schenkt mir eine kostbare Massage die beruhigt und der Seele ein Trommelspiel aufdrückt. Im Rhythmus der einschlagenden Tropfen spüre ich die Last der Erdrückung, den Schmerz der Belastbarkeit. Und doch bleibe ich stehen, lasse es über mich ergehen und finde eine Ruhe und Gelassenheit in der sich ständig wiederholenden Melodie, in der Musik des Regens.

Taktlos streife ich umher, an nichts gebunden, nur darauf wartend endlich gefunden zu werden. Damit ich in einen Rhythmus gezwängt werden kann, meinen Platz in einem großen Werk finde. Um ein Teil von Etwas zu sein. Um bei Etwas mitwirken zu können.

Ich passe nicht, meine Melodie ist nicht für Andere bestimmt, nirgendwo einordbar. Wie ein einsames Solo erklingt die Melodie der Seele, ungebunden, fremdartig.

Montag, 23. Juli 2012

- LXV - Schlafensruh

Jede Nacht erneut umpfängt mich die Ruhe der Nacht, der Mantel der Finsternis, um endlich die Erlösung zu bringen. Doch Nichts ist beständig, immer wieder verirrt sich der Stress, die Ohnmacht in die dunklen Ecken des Seins; Ungestört, Unaufhaltbar.
Im Labyrinth der Seele ist das Verlorene ewig aufgehoben, immer da, wartet nur darauf geweckt zu werden. Um wieder hervor zu brechen, Schmerzen zu bringen und Wunden auf zu reißen.

Das, was dem Herzen längst klar ist, ist für den Kopf unverständlich, nicht greifbar, weil er die Abgründe nicht überschreiten kann, regungslos verweilt.

Dienstag, 3. Juli 2012

- LXIV - Egal wie viele Schritte ich ging, Kilometer hinter mir ließ oder Berge überquerte, nie kam ich an. Im Hier und Jetzt.


Was ist nur aus mir geworden, meinen Wünschen und Träumen, meiner Fantasie? Wann, und vor allem wohin, entschwand all dies, die Hoffnungen, das Vertrauen in das Leben?

Zwischen der Erde und dem Himmel gefangen, unfähig mich zu bewegen, muss ich zusehen. Wie sich alles verändert, Fremd wird und aus den Erinnerungen entschwindet.