Donnerstag, 30. August 2012

- LXX - Wind of Change

Vom Winde verweht, so sagen sie es einem Film nach, einem Gedanken, einem Gefühl. Und während sie darüber reden, diskutieren und ihre Fachmännische Meinung ablassen stehe ich auf dem Balkon, starre auf das Meer hinaus und ergötze mich an der Schönheit des Sonnenuntergangs. Des einen Phänomens, der mich immer wieder zu fesseln vermag, jedes Mal anders, jedes Mal schöner.

Es ist die kleine Brise, das leichte Streicheln des Windes, was dafür sorgt, dass sich meine Augen leicht schließen, die Sehnsucht nach der still stehenden Zeit groß wird. Weil es nie vergehen soll, der Moment, die Schönheit eines Atemzuges. Doch ich kann ihn nicht halten, fließt einfach alles davon, weg von mir.

Leise flüstert der Wind meinen Namen aus der Ferne, lockend und mit unberechenbarer Schönheit verleitend. Ich will dem nachgehen, die Welt sein lassen, in eine Andere eintauchen und versinken. Bis diese die Meine wird.

Samstag, 18. August 2012

- LXIX - Am Ende möchte ich vor meinem Spiegelbild stehen, sagen, dass ich mich gut geschlagen habe, tapfer gekämpft habe.

Ich möchte lachen, mich am Leben erfreuen und wissen, dass all dies "richtig" ist, dass all dies einen Zweck verfolgt, einen Sinn den ich verstehe. Ein Prinzip, das für mich nachverfolgbar ist. Doch dem ist nicht so. Verlaufe ich mich doch immer wieder im Labyrinth meines Seins, versuche wie Alice den Hasen zu fangen und komme doch nie hinterher.

Ich gehöre nicht hierher in diese Welt, die mit Trauer nicht umzugehen weiß. In diese Welt, die sich nicht für mein Bestreben interessiert, in der ich nicht in der Lage bin Abdrücke zu hinterlassen. Eine Welt, die sich wie eine geldgierige Frau verkauft, sich einer Kontrolle unterwirft und verlernt eigenständig zu sein.

Eine Maske tragend verstecke ich mich vor der Öffentlichkeit, meide die Anwesenheit, weil ich nicht mehr lügen will, weil ich all den Schmerz nicht mehr ertrage. Weil ich mich nicht mehr ertrage.

Montag, 13. August 2012

- LXVIII - Abrissbirne

Groß ist die Stadt in meinem Kopf, ein gewaltiges Konstrukt meiner Einbildung, eine Erfindung meines Verstandes, der so die Kontrolle bewahrt. Gedanken fahren über die Straßen, Ideen überqueren Ampeln und sammeln sich in den hohen Häusern, den kleinen Bauten und auf den viel besuchten Plätzen. Und irgendwie verirren sich Passanten auch in die dunklen Gassen, wo die Ängste und Zweifel sie auflauern, sie bedrohen, in den schlimmsten Fällen sogar auslöschen. Schon lange hat dieses Monster keine Sonne mehr gesehen, sind die Straßenlaternen, die Leuchtreklamen an den Geschäften und Glühbirnen in den Häusern die einzige Lichtquelle. Um die Schatten zu vertreiben, die sich wie eine Würgeschlange um die Stadt gelegt haben, die wie Ratten jeden Ort unterwandern.

Mit Bedauern verlasse ich mein Zuhause, meine Welt, meine Schöpfung, trete aus der Stadt heraus und verschließe das Tor. Damit mir niemand folgen kann. Damit ich nicht auf die Idee komme zurück zu laufen. Und es sind die Gräusche, Explosionen, einstürzende Gebäude und um Hilfe schreiende Passanten, die an meine Ohren dringen, mir Kopfschmerzen bereiten und dafür sorgen, dass ich mich qualvoll krümmen muss. Weil ich mich selber mit einreiße, einen Teil von mir zerstöre. Mich selber auslösche.

Irgendwann wird es still, die Schmerzen verschwinden und mit bedauern dreh ich mich um, schaue auf das Schlachtfeld meiner Seele, das zu einer einzigen Ruine geworden ist. Tränen, heraus gelockt von der unnötigen Zerstörung, der kalten Selbstsicherheit alles richtig zu machen, laufen mir über das Gesicht. Und erst jetzt wird mir klar, wie einsam ich bin.