Donnerstag, 25. Oktober 2012

- LXXVI - Die eigenen Wurzeln

Unantastbare Tiefen, unerreichbare Höhen. In alle Richtung reichende Fäden durchziehen die Gefilde, kennen kein Ende, verschwinden außerhalb meiner Reichweite.

Reisen, den Atem suchen, immer den Spuren des Seins folgen und dabei auf Ruinen vergangener Existenzen stoßen. In ungeklärter Mission steige ich herauf, erblicke umgeworfene Wälle, eingestürzte Mauern. Und erst im Schein der alten Laterne erkenne ich die einstige Stadt, das großartige Mysterium Atlantis.

In Abgeschiedenheit versinkt der Weg hinter mir, wird von den schließenden Toren verdrängt, fallen gelassen. Und mit jedem weiteren Schritt vergesse ich, sehe nur den Pfad vor mir, die gepflasterten Steine durch das Labyrinth dieser Welt. 

Freitag, 19. Oktober 2012

- LXXV - Herzschlag

Schritte, immer weiter tragende Füße. Wege, Fäden verbindende Knoten, die auf Umwegen das Ziel anvisieren, unendliche Kurven mit Enden.

Auf der Suche trete ich in die Spuren vergessener Worte, in verändernde Phrasen und Übergänge. Und mit jedem aufgesammelten Stein bücke ich mich mehr, beuge mich der Last, krieche auf dem Boden, suche Halt an Greifbarem. Um nicht in der Erde zu versinken - ohne Abdruck, Stolperfallen hinterlassend.

Ein Universum, Sterne in greifbarer Nähe. Immer näher komme ich der herzhaften Zuflucht, in der Vergessenes wartet, Verträngtes fern bleibt und Bekanntes Gastgeber ist. Ein Ort, an dem alte Bäume wandern, hoffende Früchte tragen und in freudiger Echtheit blühen.

Samstag, 13. Oktober 2012

- LXXIV - Wellengang


Fußumspielende Wellen, festhaltendes Nass. Und in der angenehmen Kälte stehend spüre ich die Wärme des schlagenden Herzens, der wandernden Hoffnung.

Vertrautes davon tragen, gewohntes Wandern. Auf den Händen unaufhaltbarer Massen, im Rausch unbändiger Melodien. Und mit dem Fall kommt das aufkeimende Gefühl des verlorenen Glückes, die gleichgültige Empfindung des Versagens.

In Gruppenhafter Einsamkeit brechen wir an den Strand, doch erkennen einander nicht. Erst in der zurück ziehenden Naivität wird das fehlende Vertrauen bewusst, die verschwindende Hoffnung.

Die Schönheit eines Momentes, die Liebe einer Zeit. Immer wieder denke ich an sie zurück, versuche mir vorzustellen. Was wäre wenn. In sinnlose Fragen verfangend verliere ich die Besinnung, den Verstand und Überblick. Weil ich mich im Kreis drehe, nicht aufhören kann.


Sonntag, 7. Oktober 2012

- LXXIII - Gerechte Sorgen

In massenhafter Größe, zerkleinernden Kraft. Und umso länger ich darüber nachdenke, umso weniger gefällt es mir, umso ungerechter erscheint mir dies Alles.

Im Saal des Gerichts stehend warte ich ab, verharre in Gedankenloser Ruhe, entweiche den quälenden Kräften. Im Netz der trügerischen Sicherheit, der verfälschten Gerechtigkeit komme ich in Bewegung, werde von Hammerschlägen zum vibirieren gebracht, durchs Bangen zum beben gedrängt. Und immer wieder weitere Zeugen, weitere Sorgen - vom Ankläger gerufen.

In der Schnappatmung versinkendes Aufwachen, hektisches Wandern von einem Ort zum Anderen; um zu vergessen, die Gerechtigkeit dieser Bilder zu verdrängen. Um in selbstzerstörerischer Wut all dies zu vergessen.