Mittwoch, 21. November 2012

- LXXIX - zurückführende Pfade

Ausrollende Fäden, verwurzelnde Umstände. Verwirrende Wollknäuel entknoten sich, finden die passende Nadel und werden Teil eines Konstrukts, Glied einer Kette.

Wie eine Feder streicht das Band an mir vorbei, offenbart versteckte Pfade, unbekannte Routen. Und während der leitende Wind in der Dunkelheit verschwindet verhallen die schweren Schritte auf dem Boden, verwischen die Spuren an der Kreuzung.

Ein letztes Mal stehe ich als Clown vor dem Spiegel, betrachte das auf die Maske gemalte Lächeln, die gespielte Freude mit den Farben.
Ein weiteres Mal wasche ich die Schminke ab, unfähig mir in die Augen zu sehen, nicht in der Lage mich im Spiegel zu betrachten.

Erst die am Boden zerspringende Maske wird das wahre Ich offenbaren, mir mein wahres Gesicht zeigen.

Mittwoch, 14. November 2012

- LXXVIII - Die Prüfung


Kalt ist es geworden, still und atemberaubend. Und in der erdrückenden Enge des leeren Daseins finde ich die Lehren vergangener Tage, die Rästel unentwirrter Fragen die sich in den Geist frieren, fest halten und vereisen.

Leer ist es geworden, Wortlos, unbeschrieben. Und die Seiten all gelesener Bücher sind verschwunden, eingefangene Worte entflogen, verhängnisvolle Sätze vermisst.

Noch einmal drehe ich mich um, schaue zurück und lächel dem Berg zu der sich hinter mir auftürmt, den Weg zurück versperrt. Viele Muster erkenne ich; die alten Freunde, schöne Momente, vergangene Tage. Doch nichts ist mehr so, wie es einst war.
Tage vergehen, Monde verstreichen und die Worte bleiben gleich, immer da, wartend, verharrend. Auf den Ausbruch aus der Zelle, auf die Welle der Veränderung. Doch mit der Zeit altern sie, werden schwächer, kleiner. Und am Ende vergehen sie, denn nichts hält der Vergänglichkeit stand.

Donnerstag, 1. November 2012

- LXXVII - Pendelspiel

Brechende Brücken im Sturm all der Mächte allein gelassen. Stücke bleiben, Teile gehen - zurück bleibt nichts Ganzes, nur noch ein Schatten  des ehemaligen Glanzes. Und mit aller Kraft versuchen Seile zu halten was nicht mehr haltbar ist, wollen das unausweichliche Ende hinaus zögern.

Still ist es in der Kammer, einzig das leise Rauschen, das auslaufende Geräusch des Sandes aus der Uhr. Akribisch messe ich die Zeit, zähle Stunden, harre aus und warte. Auf das Ende, die beklimmende Leere.

Hilflos im Netz hängend wird die Witzlosigkeit von all dem Bemerkbar. Vampirische Blutsauger umhüllen mich, halten fest, rauben Kräfte. Und in ekstatischer Höhe füllt sich die Leere, verschenkt blumenhafte Leichtigkeit, falsche Gelassenheit.