Montag, 22. April 2013

- XCIII - Ignorierende Freiheit

Wenn die Winde verstummen und Bäche erstarren wird die Stille über diese Welt obsiegen, ihr das Gesicht seiner Kinder zeigen. Im Stillstand gleicht kein Moment dem Anderen, die existenzlose Individualität springt hervor und beschämt das immer gleich bleibende Gebilde unserer Natur.

Wie eine Feder im Wind, von Mächten hin und her gerissen, bleibt bei fehlendem Einfluss nur noch der ungebändigte Fall in den schmerzenden Abgrund. Doch sie kennen mich nicht, glauben zu wissen, wagen zu behaupten. Akzeptieren nicht die fehlende Resignation gegenüber der Ergebenheit, verurteilen den Drang nach zwanghafter Selbstbestimmung. Denn kein Pfad kann der Richtige sein, ist die Wahrheit doch nur eine verdrehte Maske in verführerischer Form.


Mittwoch, 17. April 2013

- XCII - It's only a dream.

Der Wind umspielt das immer länger werdende Haar, flüstert leise seine Liebkosungen und lässt das wunderschöne Orchester in der Seele erklingen. Immer weiter, höher und schneller trägt der Klang die Gedanken, Erinnerungen und Wünsche. Grenzenlos aufsteigend werden Gipfel zu kleinen Punkten, verstecken sich hinter Massen flauschiger Wolken und warten auf die abstürzende Wende.

Vom Leben gerufen tragen die Füße einen immer schwerer werdenden Ballast mit sich, versucht so viel wie möglich zurück zu lassen. Und doch finden die ermüdenden Augen nur den schwachen Abdruck vergangener Taten, bemerken die scheinbar unüberwindbaren Mauern alter Epochen. Einer unerfüllbaren Wahl überlassen verbleibt der Aufstieg in verletzende Höhen. Über spitze Steine, glatte Flächen und unebenes Gelände drängt der Weg die immer kraftlos werdenden Gemüter. Und jeder Akt wird zur Qual, von Zweifeln zerfressen, Ängsten gepiesackt und mit schwindendem Vertrauen behaftet. 

Ein mit Willem behaftetes Bild treibt die flügellose Existenz an, erhebt die Füße über Steine, reißt Mauern nieder und schenkt dem Gebeugten Kraft, erlöst den Ängstlichen mit Mut. Folge doch nur meinem Schicksal, um zu vergessen was einst war, um zu sehen was um mich herum lebt und gedeiht. Um zu bemerken, dass ich bin.

Samstag, 6. April 2013

- XCI - Stilles Vergehen


Und ich weiß nicht weiter, trage die abgenutzten Träume mit mir herum und kann mich doch nicht von ihnen trennen. Immer wieder erinnern sie mich an das was einmal war, an die Vorstellungen und Ideen. An Hoffnungen und Träume. Ungebändigt stehen sie wie eine Mauer vor mir, versperren den Weg, schenken Zweifel und pflanzen Ängste.

Inzwischen weiß ich nicht mehr über wie viele Gräber ich stieg, welche Hürden ich hinter mir ließ um zu wachsen und auf welchem Untergrund meine Wurzeln liegen. Der Kummer nagt an den einst erblühenden Ästen, versucht zu nehmen was noch da ist und hinterlässt verkümmerte Überreste, die zum verdorren übrig gelassen wurden.