Freitag, 28. Februar 2014

- CXX - Jackpot

Und so sitzen wir am großen Roulett-Tisch, wetten auf eine Farbe, eine Zahl. Bestreiten den ewigen Kampf des Verlustes, träumen vom endlosen Gewinn.

In der Sucht des Spieles rollen die Würfel, kennen kein Ende, erfinden immer wieder neue Zufälle. Und kein Pasch gleicht dem Anderen. Doch unermüdlich schütteln wir weiter, hoffen und beten um das erlösende Glück des Verlierers. Ersehnen immer wieder die befreiende Last der Schuld. Denn am Ende bleibt nur sie bestehen.

Erst am Morgen wache ich auf, schüttel den Rausch der ereignislosen Gewinne von mir ab und suche meine Münzen, tausche sie für Bedeutungsloses, erkaufe mir die abhanden gekommene Reinheit. Stehe auf den erhöhten Stelzen der Unsicherheit und betrachte das erbaute Leben aus Lego-Steinen.

Am Ende schreibt das Leben meine Geschichte, verändert die Welt, schenkt neue Zeiten. Unbeeinflusst, vorherbestimmt. Ist es das doch schon immer gewesen.


Sonntag, 16. Februar 2014

- CXIX - Die Reise

Irgendwann sitze ich da, betrachte das Spiel des Windes, lausche den Blättern und rieche die einsame Kälte des Vergessen. Und ich warte; auf den längst verschollen Bus in die nächste Stadt, die hinauf steigende Böe, die mitreißende Welle der Gezeiten.

Wohin führt mich das Klatschen des Herzens, der Rhythmus des Lebens? Und während ich immer weiter davon treibe, im Wind die Fahne streiche, träume ich doch nur von dem alten Bett. Den bekannten Flügeln, die sich schützend und wärmend um mich legen, die Sorgen vertreiben, die Ängste nehmen. Die Wünsche schüren. 

Doch ich will erzählen, von den Wundern unerkannter Worte, von den Märchen unglaubwürdiger Sätze. Den Spieß verdrehen, die Wüsten fluten und Meere teilen. Die Gebirge wachsen und den Menschen schrumpfen sehen. Und irgendwann will ich nach Hause kommen, den gefundenen Schatz teilen, die Sprache sprechen. Eine Seele sein.

Samstag, 8. Februar 2014

- CXVIII - Untraveled Roads

Manchmal hat man ein Bild im Kopf, kennt aber den Namen nicht. Versucht zu erklären, zu beschreiben. Zu definieren. Und doch scheint kein Ende in Sicht, keine Lösung in greifbarer Nähe.

Dann erfindet ein Wort das Leben, schenkt einen anderen Sinn und verändert Alles von Grund auf neu. Das Universum zerspringt in kleine Teile, um mit erneuerter Größe wieder zu erwachen. Und in seiner unendlichen Weisheit richtet das Chaos über unser aller Schicksal.

Ich denke zu viel, handel zu wenig, spreche gar nicht. Und mit dem Verlust des Gesagtem verschwindet eine Welt hinter den verbleibenden Mauern der Worten.