Dienstag, 15. November 2016

Im Leid werden wir stark. Begreifen die Konsequenzen unseres Handelns, verstehen die Vergänglichkeit unserer Gedanken. Erkennen, dass jeder Schritt eine Spur hinterlässt, die irgendwann von den Wellen davon geschwemmt wird. Dass es in der Beständigkeit der Veränderung keine Kompromisse gibt. Wir alle sind gleich. Verletzlich. Sterblich.

Und dann werden wir fallen. Vom Gewicht unserer Taten zum Meeresgrund hinab gezogen. Wollen atmen, doch können es nicht. Versuchen zu überleben, doch sterben unzählige Tode. Wünschen uns ein Ende, doch können nicht vergehen. Bleiben immer da. Bestehen ewig im Kreislauf eines Lebens, der ohne Gnade über unsere Seele regiert. In alle Ewigkeit verdammt, ohne Hoffnung, ohne Licht. Am Ende verbleibt die ertragende Erinnerung der Einsamkeit. Bis kein Funke mehr in die Tiefe hinab stößt. Die lebende Nacht zum Überrest unseres Daseins wird.

Noch immer haben wir nur den einen Wunsch. Daher versuchen wir zu gehen. Doch der erste Schritt ist schwer, haben wir nie das Laufen gelernt. Hielten es nie für nötig. Werden von jedem Beben zu Boden geschlagen, vom kleinsten Hauch umgeweht. Dabei wollen wir nur zurück. Nach Hause.

Freitag, 16. September 2016

Remember me

Den Wolken gleich, einen Atemzug zögernd, spielt der Tag immer wieder die selbe Leier. Eine Sonne geht auf, ein Licht geht unter. Der Mond erklimmt die Hürde hell leuchtender Herrlichkeit und versagt mit ermattenden Glanz. Geschichte über Geschichte zieht in Watte gehüllt davon - Märchen mit verklingender Nostalgie - während im ständigen Bestreben das Leben davon wallt. Im Glanz des Alten erblüht das Neue, einem Schwan gleich, während die einkehrende Angst vor Veränderung das Bestreben hemmt. Einengt. Tonlos verbleibt, während sich das Lied Akkord für Akkord mit einsamer Melodie wiederholt. Im wachsenden Crescendo die Stille füllt und doch unerhört - gar unerkannt - verklingt. 

Nur begrenzt, Strich für Strich, malt sich die Farbe zurück, füllt Flächen, grundiert großspurig die verbleibenden Ecken eines versinkenden Gemäldes. Worte später, nach Sätzen mit verbindendem Egoismus, offenbart sich die verstrickte Wahrheit einer unentwirrbaren Realität, die zwischen den Momenten versinkt und in fassungsloser Erklärung die Vorstellung übersteigt. Grenzen überschreitet und verbindet, was nicht im Zusammenhang existieren mag. Lebt, wo der Untergang hervor bestimmt und das Versagen geboren wird. Doch in der Farblosigkeit der Welt offenbart sich die Schönheit unentfalteter Vielfalt. Im Klang eines Tones zeigen sich die Facetten unerhörter Akkorde. Im Rausch ungesprochener Sätze erklingt die flügellose Tragweite zählbarer Punkte. Verbindungen entstehen, Brücken werden gebaut. Das Leben, vom Unterschied der Existenz getrieben, strebt nach nie erreichtem Perfektionismus. 

Ein Universum, mit Sternen in greifbarer Nähe. Und immer näher kommt die herzhafte Zuflucht, in der Vergessenes wartet, Verdrängtes fern bleibt und Bekanntes Gastgeber ist. Ein Ort, an dem alte Bäume wandern, hoffende Früchte tragen und in freudiger Echtheit erblühen.

Mittwoch, 15. Juni 2016

Am Ende sind es die Gedanken, die mich verraten – stille Worte mit zerstörerischer Wirkung. In all ihrer Vielfalt, der innewohnenden Magie und farbenfroher Verkleidung, nagen sie an den verstreuten Resten eines zerbrochenen Lichts. Verzehren die immer wieder kehrende Friedlichkeit, bis der nur noch klägliche Rest einer verschütteten Existenz im Meer ertrinkt.

Es sind die Wege, die wir nicht gehen. Türen, die hinter all den vergessenen Kreuzungen geöffnet aber nicht durchschritten werden. Weil es steil bergauf geht. Unendlich weit hinab. Weil die Angst in den Herzen sitzt; die Einfachheit die Seele beruhigt. Denn im ständigen Ringen um die Entscheidungsgewalt lockt der einfache Tod. So, ohne Kurven, ohne Umwege, wird ein Pfad offenbart, der bis in all die fehlenden Kanten vorgeschrieben steht. Ein Leben, das gradliniger nicht sein kann. Einfacher. Und in der sonst so entscheidungsfähigen Spielwiese des Lebens zeigt sich der erste Rückschlag unentfachter Kreativität.

Es sind nicht die Wege, die wir gehen. Pfade, die mit verlockend einfach erreichbaren Träumen bespickt sind. Mit falschen Früchten locken. Weil jedes Glück seinen Preis hat. Alles einen Schatten wirft. Weil das Fremde zum Feind verdonnert und die Neugier mit Verachtung gestraft wird. Denn es ist die Zeit, die als ewiger Antreiber mit gewaltiger Peitsche hinter uns steht, im ständigen Druck das Gefühl etwas zu verpassen vermittelt. Ein Leben, das anstrengender nicht sein kann. Anspruchsvoller. Und in den sich immer verändernden Schluchten des Geistes zeigt sich die Tiefe eines Labyrinthes, das mit erdrückender Natur den Verstand zu rauben droht.

Am Ende habe ich aufgegeben zu suchen. Nach dem, wer ich einst war. Wer ich einmal vor hatte zu sein. Denn schlussendlich erliege ich den einst gemalten Bildern, träume von gegenwärtigen Geschichten und ersehne kommende Märchen.

Montag, 4. April 2016

Der Fortschritt der Zeit

Die Jahre vergehen, Stunden rinnen davon und Minuten trage ihren Sinn an mir vorbei. Sekunden singen ihre Lieder, während die Tage von ihren Eroberungen erzählen. Älter werden ist wie eine Last, weil der Kopf über die Kleinigkeiten nicht hinweg kommt und sich immer an dem unscheinbaren aufhängt. Und erst nach der nie endenden Sonate gelogener Ehrlichkeit offenbart sich die ständige Beharrlichkeit. Wahr und ewig fehlend, still und ohne Rücksicht erschlagend. Denn ich werde nicht jünger, sterbe im Kreislauf der immer weiter strebenden Gesellschaft, während das Leben stehen bleibt. Sich nicht ändern will.

Erneut stelle ich mir die Fragen, wer ich bin, wäre ohne all meine Erfahrungen. Ohne all die Worte in meinem Kopf. Und erneut sehe ich die Zukunft vor mir schweben, von unsichtbarer Hand gemalt. Mit löschbarer Tinte auf ein Blatt geschrieben, das die Zukunft erwartend betrachtet. Immer zur Korrektur bereit. Und am Ende bin ich nur das kleine Kind, das nicht aus den Kinderschuhen heraus kommt, keinen Schritt wagt, im ersten Fluss ertrinkt.

Dienstag, 19. Januar 2016

Auf der Suche nach dem Licht meines Lebens, dem Sinn und Verstand eines Herzens, bin ich in der Leere gelandet. Stapfe durch die Schneewehen meiner Vorstellung. Bestaune die Kälte einer Seele, die dumpfe schärfe einer Ignoranz. Und mit immer größer werdender Verzweiflung verhallen die Schreie ungehört, prallen an den Mauern meiner Existenz ab, verschwinden in der Dunkelheit und zehren die aufkeimende Verzweiflung.

Siehe, ich lebe noch. Habe es immer getan, werde es noch immer tun. Und während die alten Narben durch neue ersetzt werden, wird mir dir tiefe der Worte bewusste. Erkenne immer wieder den reißenden Abgrund unter meinen Füßen. Versuche nicht zu fallen, irgendwo zu stolpern. Blicke zurück, um irgendwo meine Schatten zu erkennen. Die Erinnerungen meiner Selbst.

Ich muss voran. Das musste ich immer, egal wie schwer der Weg auch sein mochte. Wie steinig. Steil und glatt.

Montag, 4. Januar 2016

Wieder ist ein Jahr vergangen. Schneller als gedacht, langsamer als vielleicht gewünscht. Denn am Ende bleiben die Sorgen die Gleichen. Die Träume und Hoffnungen. Doch jedes Mal, wenn ich versuche auch nur einen zu erwischen, überhaupt mal in greifbare Nähe zu bekommen, entschwinden sie einfach. Verpuffen, so als wären sie nie da gewesen. Hinterlassen eine Leere, die durch kein Lachen der Welt zu füllen ist. Denn egal wie sehr ich versuche zu streben, den Sternen entgegen springe: am Ende bleibt alles gleich. Kein Beben, das die Welt erschüttert. Kein Hauch, der mit sanftem Druck in eine Richtung lenkt.

Erneut lasse ich los, will einfach nur davon laufen. Wie immer. Versuche einem Drang zu widerstehen, der mir die Tränen in die Augen treibt. Und ich erinnere mich an eine simple Frage, über die das ganze Leben entscheidet: Bin ich glücklich?