Montag, 13. August 2012

- LXVIII - Abrissbirne

Groß ist die Stadt in meinem Kopf, ein gewaltiges Konstrukt meiner Einbildung, eine Erfindung meines Verstandes, der so die Kontrolle bewahrt. Gedanken fahren über die Straßen, Ideen überqueren Ampeln und sammeln sich in den hohen Häusern, den kleinen Bauten und auf den viel besuchten Plätzen. Und irgendwie verirren sich Passanten auch in die dunklen Gassen, wo die Ängste und Zweifel sie auflauern, sie bedrohen, in den schlimmsten Fällen sogar auslöschen. Schon lange hat dieses Monster keine Sonne mehr gesehen, sind die Straßenlaternen, die Leuchtreklamen an den Geschäften und Glühbirnen in den Häusern die einzige Lichtquelle. Um die Schatten zu vertreiben, die sich wie eine Würgeschlange um die Stadt gelegt haben, die wie Ratten jeden Ort unterwandern.

Mit Bedauern verlasse ich mein Zuhause, meine Welt, meine Schöpfung, trete aus der Stadt heraus und verschließe das Tor. Damit mir niemand folgen kann. Damit ich nicht auf die Idee komme zurück zu laufen. Und es sind die Gräusche, Explosionen, einstürzende Gebäude und um Hilfe schreiende Passanten, die an meine Ohren dringen, mir Kopfschmerzen bereiten und dafür sorgen, dass ich mich qualvoll krümmen muss. Weil ich mich selber mit einreiße, einen Teil von mir zerstöre. Mich selber auslösche.

Irgendwann wird es still, die Schmerzen verschwinden und mit bedauern dreh ich mich um, schaue auf das Schlachtfeld meiner Seele, das zu einer einzigen Ruine geworden ist. Tränen, heraus gelockt von der unnötigen Zerstörung, der kalten Selbstsicherheit alles richtig zu machen, laufen mir über das Gesicht. Und erst jetzt wird mir klar, wie einsam ich bin.

1 Kommentar:

  1. Danke dir für deine Worte.

    Manchmal muss man zuerst alles zerstören und den Trümmerhaufen, der daraus folgt, sehen, um etwas ändern zu können oder zu realisieren, dass man etwas ändern muss. Dann ist die Zerstörung gut, da somit etwas Neues folgen kann. Ob es dann besser sein wird maße ich mir nicht an zu beurteilen, aber dennoch- genau so, wie es war, kann es nicht mehr werden.

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