Sonntag, 7. Dezember 2014

- CXXIX - Kartenhaus

Und in unerreichbarer Ferne leuchtet ein Licht den Weg. Führt zurück, leitet immer weiter. Spendet Wärme und erschafft ein neues Spiegelbild.

Vermissen. Wie eine Sonne die Blume, ein Kuscheltier sein Kind. Und über den Wolken entsagt der Schnee seinen Dienst. Lässt die Gipfel alleine und offenbart die kantigen Züge einer runden Welt. Schenkt die Sehnsucht einer unbegreiflichen Liebe. Offenbart eine erreichbare Weite und erschafft immer wieder neue Träume.

Dann erbaue ich mein Haus, erfinde einen neuen Grund und schreibe die Fassaden um. Verändere eine Existenz. Webe meine Geschichte.

Montag, 27. Oktober 2014

- CXXVIII - Lichtspiel

Ich dachte, wenn ich gehe bricht eine Welt zusammen. Alte Berge fallen in sich zusammen, Flüsse trocknen aus. Und alles wird dunkel und kalt. Farben entweichen, während die Sonne vergeblich sich der Nacht entgegen streckt. Erwärmen will, was nicht gehalten werden kann.

Doch ich bin wie ein Zug. Bleibe kurz stehen und sehe nicht zurück. Werde nicht langsamer, jage immer denselben Lichtern hinterher. Warte ein Leben lang auf die richtigen Schienen. Tanze mit den Gedanken der Reisenden. Bin das Ross der Unermüdlichkeit, getrieben von immer schönerem Glanz der Ferne.

Und dann bin ich zu Hause. Stehe im Regen und spiele wie ein Kind. Fange den Tropfen und springe in Seen. Baue Welten und erschaffe Riesen. Lache mit dem Wind. Fliege mit der Vergänglichkeit.

Sonntag, 12. Oktober 2014

- CXXVII - Lachen

Vielleicht sollten wir das Lachen nie verlernen. Mit Erstaunen durch eine Welt laufen, die so viel zu bieten hat. Die kleine Hand ergreifen, die immer wieder nach uns greift.

Gerne denke ich daran zurück. An die Belanglosigkeit des Herzens, die unbändige Stärke einer Freude. Die laute Musik, die meinen Kopf bersten und den Körper zerbrechen lassen wollte. Mit erleichternder Last einer strahlenden Sonne eine Welt verdrehte. 

Und dann bin ich wieder klein, die leichte Feder im Wind. Begreife den Fall und lerne die Furcht zu vergessen. Trage eine Wahrheit mit glänzenden Augen und brauche doch kein Wort.

Sonntag, 31. August 2014

- CXXVI - Aus dem Buch des Schreibers

Lass mich dir den Weg weisen.
Zeigen, dass Worte mehr sind als Bilder.
Dass wir irgendwann zurück kehren.
Fliegen lernen.“

Den Mond habe ich schon immer verehrt. In warmen Nächten auf den Dächern gesessen und Worte gefunden. Sterne gesammelt. Eine Inspiration gesucht, die in den tiefen Seen der Dunkelheit eine beruhigende Wirkung hatte. Der Musik gelauscht, die das rauschende Meer an den Strand brach. Mit dem Wind getanzt, der auf den Gipfeln verspielte Formen erschuf. Und noch immer sitze ich hier, starre hinauf und bestaune die Schönheit einer nie vergessenen Göttin. Schreibe und singe. Träume und bin. Existiere, ohne auch nur einen Atemzug zu leben. Bin ein Wort, ohne den Satz zu kennen, für den ich verbinde. Reise, und stehe doch still. Bin auf der Suche nach dem einen Weg, der sich ständig weiter entwickelt. Mich davon trägt und zurück bringt, ein Haus baut und die Mauern abreißt, die sich zwischen uns stellen. Dann wünsche ich mir, dass es nie aufhört. Das Leben. So wie es ist. Lese in dem Buch des Schicksals, schreibe meine Geschichte nieder und finde doch keine Erklärung. Für all das, was mich erfüllt, mir das Lächeln schenkt. Kraft, die wie ein ständiger Strom durch die Fasern meines Körpers rauscht. Den Drang der immer währenden Bewegung ermutigt. 

Donnerstag, 12. Juni 2014

- CXXV - catching fire

Vom Himmel fallende Flammen verbrennen die Erde, wälzen das Meer um, tauchen die Nacht in strahlende Erschütterung. Leise Flügel schlagen den Wind gegen die Mauern der Standhaften, während die reinigende Glut immer wieder zum neuem Leben erwacht und aus der Asche aufsteigt. Und mit furchterregendem Gestank fällt die Wiedergeburt aus dem ewigen Kreislauf heraus, bemächtigt sich dem schwächsten Glied und zerreißt die Kette der Selbstständigkeit.

Am Ende wird alles zugrunde gehen, eine Stadt dem Rauch verfallen, die Blätter zu Asche werden. Und mit dem letzten Rest der Tinte schreiben wir eine neue Geschichte, ein weiteres Leben. Äonen können vergehen, Legenden vergessen und Sagen ignoriert werden. Nur um im aufkommendem Sturm erneut aus dem Boden zu sprießen. Damit wir uns an die Taten der Ahnen erinnern, erneut erwachen und aus dem nie anhaltenden Krieg austreten. 

Frei wie ein Vogel. Das sage ich mir immer wieder, während ich die Flügel ausbreite und in den mich umgebenden Wassermassen ertrinke. Zu Boden gedrückt werde und keinen Finger rühren kann. Schmerzhaft steigt die Unfähigkeit in den Geist, benebelt die Sinne, raubt den Verstand. Erschafft unerträgliche Illusionen der Standhaftigkeit. Dabei bin  ich Nichts, laufe davon und verstecke mich. Eine Maus, die gerne mehr wäre. Einer Bestimmung entgegen treten mag. Ein Wolf sein möchte, und mit den Drachen tanzen will.

Freitag, 16. Mai 2014

- CXXIV - The streets....

Der Winter ist vorbei, und doch ist es kälter geworden. In ständiger Sonne frieren die Knochen an den hölzernen Bänken fest, so dass der ständige Wettlauf gegen die Zeit zu einem nötigem Drang wird. Immer schneller, voran ohne zu stehen, gehen ohne zu verweilen. Lasten tragen, Welten verschieben und den Krieg gewinnen. Einem Lachen ausweichen und der Freude entgehen.

Still ist es geworden. Worte verschwinden in den lautesten Momenten aus meinen Fingern, wirbeln in den aufkommenden Winden davon und entschwinden aus greifbarer Nähe. Mischen sich zwischen das Volk und rennen davon. Unaufhaltbar.

Samstag, 5. April 2014

- CXXIII - Die Flügel des Ikarus

Und ich werde fliegen. Höher als jeder Berg, weiter als jeder Vogel.

Unerreicht strebt die Gelassenheit ihrem Anfang entgegen, schließt den Kreis und beginnt doch wieder am Ende. Denn der Rhythmus wiederholt sich, wird vom lauten Orchester immer wieder erneuert, fortgesetzt. Ständig verändert.Und im verbleibendem Zwang der Beständigkeit singt die Meise ihr Lied, beklagt der Wolf sein Leid.

Und ich werde tauchen. In die dunkelsten Abgründe bekannter Tiefen, die einsamsten Ecken der grenzenlosen Weite.

Zwischen Licht und Schatten findet sich das verträumte Spiel nie erfundener Geschichten.Und mit jedem weiteren Wort wächst der Samen uralter Riesen.

Donnerstag, 3. April 2014

- CXXII - living on a highway

Dann leben wir ein Leben, sind für den Tag zu wach, die Nacht zu müde. Treiben auf den Wellen unveränderbarer Vergesslichkeit und halten die kleinen Hände unzumutbarer Hoffnung. Und am Ende vergehen die Schritte, versinken hinter den Mauern alter Gemäuer und ertrinken in den Mooren der Zeit.

Gefangen, zwischen bekannten Straßen und unvergesslichen Vorstellungen, trage ich die Wünsche einer anderen Zeit, die Sätze einer unbekannten Welt. Laufe voran und schaue zurück, will nicht vergessen und doch nicht daran zugrunde gehen. Immer da sein, und doch so flüchtig wie der Wind bleiben. Ein Wort sein. Einen Ton spielen, in diesem lauten Werk wirken.

Ich verändere nicht, bin kein Fels in der Brandung. Und doch stehe ich da, breche die Wellen und fliege auf den Böen davon. Gehe und komme wieder. Weil es das Einzige ist, das nicht genommen werden kann.

Montag, 10. März 2014

- CXXI - Hinterlassenschaften

Still beweint der Mond die Tränen der Nacht, ertränkt die Sorgen der Dämmerung und begräbt die Ängste des Tages. Verändert, beschneidet; verwehrt.

Zum ersten mal der Regen, der Wunsch der Veränderung, die Trauer der Hoffnungslosigkeit. Und erfassend ergreift mich der Arm der Familie, fesselnd und immer mehr erstarkend. In immer wieder kehrender Erinnerung sehe ich das vergangene Lachen, bekenne die einkehrende Einsamkeit und bedauer die immer währende Kälte. Lichter entschwinden, Sterne entsagen ihren Dienst, während das Universum im Keim erstickt, seine Lasten fallen lässt und die Bürden der Jahre an Andere abgibt.

In all der Vielfalt fehlen die Worte, während der Verlust in immer immer größer werdenden Kreise seine Bahnen zeiht. Während ein Planet erlischt und eine ungenannte Lücke hinterlässt. Ein schwarzes Loch erschafft, das von näheren Worten immer größer wird, von trügerischen Mitteln nur noch an Stärke gewinnt. Eine Barriere, die Alles zu verändern mag. Ein Leben. Eine Welt.


Freitag, 28. Februar 2014

- CXX - Jackpot

Und so sitzen wir am großen Roulett-Tisch, wetten auf eine Farbe, eine Zahl. Bestreiten den ewigen Kampf des Verlustes, träumen vom endlosen Gewinn.

In der Sucht des Spieles rollen die Würfel, kennen kein Ende, erfinden immer wieder neue Zufälle. Und kein Pasch gleicht dem Anderen. Doch unermüdlich schütteln wir weiter, hoffen und beten um das erlösende Glück des Verlierers. Ersehnen immer wieder die befreiende Last der Schuld. Denn am Ende bleibt nur sie bestehen.

Erst am Morgen wache ich auf, schüttel den Rausch der ereignislosen Gewinne von mir ab und suche meine Münzen, tausche sie für Bedeutungsloses, erkaufe mir die abhanden gekommene Reinheit. Stehe auf den erhöhten Stelzen der Unsicherheit und betrachte das erbaute Leben aus Lego-Steinen.

Am Ende schreibt das Leben meine Geschichte, verändert die Welt, schenkt neue Zeiten. Unbeeinflusst, vorherbestimmt. Ist es das doch schon immer gewesen.


Sonntag, 16. Februar 2014

- CXIX - Die Reise

Irgendwann sitze ich da, betrachte das Spiel des Windes, lausche den Blättern und rieche die einsame Kälte des Vergessen. Und ich warte; auf den längst verschollen Bus in die nächste Stadt, die hinauf steigende Böe, die mitreißende Welle der Gezeiten.

Wohin führt mich das Klatschen des Herzens, der Rhythmus des Lebens? Und während ich immer weiter davon treibe, im Wind die Fahne streiche, träume ich doch nur von dem alten Bett. Den bekannten Flügeln, die sich schützend und wärmend um mich legen, die Sorgen vertreiben, die Ängste nehmen. Die Wünsche schüren. 

Doch ich will erzählen, von den Wundern unerkannter Worte, von den Märchen unglaubwürdiger Sätze. Den Spieß verdrehen, die Wüsten fluten und Meere teilen. Die Gebirge wachsen und den Menschen schrumpfen sehen. Und irgendwann will ich nach Hause kommen, den gefundenen Schatz teilen, die Sprache sprechen. Eine Seele sein.

Samstag, 8. Februar 2014

- CXVIII - Untraveled Roads

Manchmal hat man ein Bild im Kopf, kennt aber den Namen nicht. Versucht zu erklären, zu beschreiben. Zu definieren. Und doch scheint kein Ende in Sicht, keine Lösung in greifbarer Nähe.

Dann erfindet ein Wort das Leben, schenkt einen anderen Sinn und verändert Alles von Grund auf neu. Das Universum zerspringt in kleine Teile, um mit erneuerter Größe wieder zu erwachen. Und in seiner unendlichen Weisheit richtet das Chaos über unser aller Schicksal.

Ich denke zu viel, handel zu wenig, spreche gar nicht. Und mit dem Verlust des Gesagtem verschwindet eine Welt hinter den verbleibenden Mauern der Worten.

Samstag, 11. Januar 2014

- CXVII - I see fire


Still ist es geworden, wage kaum zu reden, kann der Enttäuschung kein Ausdruck verleihen. Und die sonst unendlichen Wörter versiegen unten den Flammen der Hilflosigkeit, einem Gefühl der Machtlosigkeit, während die Welt sich hinter einem Schleier zu verstecken scheint.

Irgendwann brennt eine Sicherung durch, Wahnsinn wird zur Normalität und jeder glaubwürdige Menschenverstand verschwindet hinter aberwitzigen Gedanken. Und dann wendet das Spiegelbild sich ab, tritt davon und kehrt nicht mehr zurück.

Mittwoch, 8. Januar 2014

- CXVI - Ein Blick ins Morgen

Und immer noch schreiben wir unsere Geschichten, verstecken hinter den Fassaden nie ermüdender Mauern das zermarterte Hirn und die geschundenen Gedanken. Bemalen die Steine brüchiger Wände mit blumigen Gemälden und versuchen den Wasserfall hinter einem absinkenden Vorhang der Pointe zu verstecken.


Große Lichter besangen ein gehendes Jahr, erhellten das Kommende und gaben die Hoffnung verändernder Explosionen. Mit gewaltigem Applaus forderte der Himmel seinen Tribut, verschenkte die Erinnerung an schwächere Abende, nahm die ängstlichen Sorgen vorüber gehender Momente. Und erneut stehe ich da, betrachte das von Menschenhand erschaffene Werk, lobe die unantastbare Musik, fasse entfliehende Gedanken und versinke in der schwelgenden Zukunft.