Sonntag, 7. Oktober 2012

- LXXIII - Gerechte Sorgen

In massenhafter Größe, zerkleinernden Kraft. Und umso länger ich darüber nachdenke, umso weniger gefällt es mir, umso ungerechter erscheint mir dies Alles.

Im Saal des Gerichts stehend warte ich ab, verharre in Gedankenloser Ruhe, entweiche den quälenden Kräften. Im Netz der trügerischen Sicherheit, der verfälschten Gerechtigkeit komme ich in Bewegung, werde von Hammerschlägen zum vibirieren gebracht, durchs Bangen zum beben gedrängt. Und immer wieder weitere Zeugen, weitere Sorgen - vom Ankläger gerufen.

In der Schnappatmung versinkendes Aufwachen, hektisches Wandern von einem Ort zum Anderen; um zu vergessen, die Gerechtigkeit dieser Bilder zu verdrängen. Um in selbstzerstörerischer Wut all dies zu vergessen.

Kommentare:

  1. Um ehrlich zu sein, war es ziemlich schwierig über deine Worte nachzudenken. Ich habe eine kleine Ewigkeit gebraucht um die passenden Worte wieder an dich zu richten. Dein Schreibstil ist ziemlich eigen und bewundernswert zugleich. Ich habe lange überlegt um diese scheinbare Leichtigkeit deiner Worte zu verstehen. Es fasziniert mich. Ehrlich.

    Und natürlich ist meine Interpretation nicht das, was du meinst. Doch ich fasse dies eben so auf und freue mich auch, dass du ebenso meine Worte dir zu Herzen genommen hast. Danke.

    Zu deinen alltäglichen Gedanken (am Rand) fällt mir nichts mehr ein. Wir sind wirklich blind gworden und das macht mich so unglaublich traurig. Wir schließen viel zu oft die Augen und lassen die Schönheit nicht an uns heran. Traurig wie die Welt sich verändert. Doch es gibt immer noch solche, wie dich und mich, die vielleicht nicht ganz so blind sind wie der Rest der Welt.

    Vergessen ist allerdings nicht immer das Richtige. Manchmal erscheint es notwendig um dem Lebenslauf weiterhin zu folgen, doch es holt uns alles wieder ein. Vergessen und verdrängen ist nur begrenzt gut für uns. Vergessen ist schön und gut, doch verarbeiten ist besser.

    Ich danke dir und wünsche dir eine wundervolle Woche :)

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  2. Um ehrlich zu sein, deine Worte sind wieder so tiefgründig, dass mir die Antwort schwer fällt.
    Vielleicht ist es wirklich so, wie du sagst. Es ist besser, mit unsichtbarer Tinte zu schreiben, alles demnach immer wieder neu umschreiben zu können, falls man möchte oder das Drehbuch zu ändern. Wenn man denn die unsichtbare Tinte nicht aus dem Grund verwendet, weil man somit nicht die Seiten beschmutzen würde. Was voraussetzen würde, das man sich selbst als schlechter Mensch sieht. Was du ganz und gar nicht bist. (Oder ich interpretiere zuviel hinein in deine Worte, dann tut es mir leid) Nun könnte man das aber auch, würde man mit normaler Tinte schreiben. Man hat immer die Chance, es umzuschreiben, egal wie viele Geschichten- halbe, dreiviertel oder ganze- schon geschrieben wurden. Falls es nötig sein sollte. Manche Dinge sind nicht einfach, sie festzuhalten ebenso wenig. Aber nach deinen Worten zu schließen ist es in dem Fall gut, dass es nicht einfach ist.

    Manchmal machen wir aus einer Mücke einen Elefanten. Kann gut, kann schlecht sein. Je mehr wir uns allerdings darauf konzentrieren, umso größer und unlösbarer wird das Ganze... und wie Jo schon vor mir sagte- verarbeiten, so schwer und schmerzhaft es auch sein mag, ist auf Dauer besser als vergessen. Denn wirklich vergessen kann man nie.

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  3. Bliebe die Frage, warum du das Gefühl hast, böse zu sein oder nichts anders als das verdient zu haben (kein Mensch hat das verdient, egal, was er getan oder nicht getan hat!)
    Schmerzen lassen sich durch noch größere wunderbar ersetzen, aber irgendwann kommt es dann doppelt so hart, als es sowieso der Fall wäre. Eine eher selbstzerstörerische Art, damit umzugehen, finde ich, auch wenn jedem die Wahl selbst überlassen ist. Nur auf diese Art und Weise, wirst du wahrscheinlich immer weiter und weiter schreiben, aber es nie wirklich zu Ende bringen, falls du das überhaupt möchtest.

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  4. Deine Worte klingen, als wäre das Ende schon absehbar. Zwischen den Zeilen.
    Machen wir nicht alle Fehler? Aus ihnen lernen wir, und aus ihnen werden wir vielleicht auch ein besserer Mensch. Wenn wir daran glauben. Ich bin nicht sicher, ob du damit etwas anfangen kannst, aber: http://www.youtube.com/watch?v=HFDjra5hNU4 beschreibt es irgendwie ganz gut.

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  5. So habe ich es noch gar nicht gesehen. Danke dir dafür.
    Grenzen kann man setzen, aber man kann sie auch überschreiten. Es ist wie bei den Worten. Sie können aufbauen, zerstören, sich an die Grenzen herantasten und keinen Schritt weiter gehen oder eben die Grenzen überschreiten und darüber hinaus wachsen.
    Man könnte stundenlang darüber philosophieren und am Ende würde ein 500 seitiges Buch dabei heraus kommen und man hätte immer noch nicht alles gesagt, was es dazu zu sagen gäbe.
    Ich wünsche dir einen guten Tag

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  6. Jeder interpretiert das Wort anders, so können die einen diese Grenze überschreiten, während es für die anderen unmöglich scheint.

    Ich danke dir für deine Zeilen.
    Ohne die Vergangenheit sind wir nicht das, was wir sind, nicht wer wir sind und ohne die Zukunft wahrscheinlich auch nicht, da sich nicht leugnen lässt, dass beides miteinander verwoben ist. Dazu kommt die Gegenwart, die für mich gerade aber mehr als die anderen beiden bedeutet. Die Zukunft ist nicht immer nur zu unserem Besten, sie bringt nicht nur Glück, sondern kann alles und nichts bringen. Aber kann auch Angst machen. Ohne das alles kann man nicht wertschätzen, was man besitzt, aber manchmal ist es einfacher, nur im Jetzt zu leben, oder es zumindest zu versuchen, da die Zukunft auch Schmerz bringen kann.

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