Montag, 3. Dezember 2012

- LXXX - In glücklicher Angst versinkende Moral

Unerträglich plätschert der Bach vor sich her, treibt von einem Stein zum Anderen; unaufhaltbar, einer unsichtbaren Uhr folgend. Und mit jedem Stein, jedem weiterem Widerstand, verändert sich die Last, wird leichter, wird schwerer.

In unerreichbaren Höhen streckt das Glück die Fühler aus, schenkt unzertrennbare Zuversicht, unwiederlegbare Gelassenheit. Und nach tausenden von Schritten verschwinden die Fragen nach Richtig und Falsch. Übrig bleibt das Wissen um das Jetzt.

An der Klippe stehend bemerke ich wie tief es herunter geht, wie weit der Boden entfernt ist, wie hoch ich geklettert bin. Schwindelartig erregt breiten sich meine Schwingen aus, werden vom Wind erfasst und ziehen mich über den Abgrund. Und erst im trudelndem Sturz, im unsteuerbarem Abstieg, wird das Warten zu einem Krampf, zu einer unerträglichen Last auf den Schultern.

Mit gebrochenen Flügeln zurück gelassen schreibe ich meine Geschichte, lerne erneut zu fliegen und vergesse was einst war.

Kommentare:

  1. Danke für deine Worte, die so unglaublich wahr sind, die berühren und Mut geben.

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  2. Die Irrelevanz der Moral

    "Betrachten wir uns die gegenwärtige Moral etwas genauer, so erkennen wir, dass es sich um eine doppelte oder sogar eine dreifache Moral handelt. Die in den Staatsgesetzen und in der öffentlichen Meinung verankerte Moral soll verhindern, dass der Einzelmensch in eigennütziger Weise gegen den Nutzen seiner Mitmenschen und damit gegen den Gemeinnutzen verstößt, z. B. durch Diebstahl und Betrug. Aber sie erreicht diesen Zweck nur in einem verhältnismäßig kleinen Teilbereich der menschlichen Gesellschaft, nämlich nur für die Menschengruppe der wirtschaftlich Schwachen, also der Arbeitenden. Der wirtschaftlich Starke, also der Kapitalist, hat ja die moralisch verwerflichen, d. h. durch die Gesetze verbotenen und durch die öffentliche Meinung verfemten Mittel nicht nötig zur Verwirklichung des Eigennutzes mit Schädigung der Mitmenschen und des Gemeinwohles und zwar im allergrößten und praktisch uneingeschränkten Ausmaß.
    Neben dieser offenkundig doppelten Moral gibt es aber noch eine dritte, von den wenigsten Menschen durchschaute Seite, bedingt durch das heimlich schlechte Gewissen der Vertreter und Nutznießer dieser verlogenen Moral. Hier handelt es sich freilich nicht um die Großkapitalisten, die ja ihr Gewissen, wenn sie je eines besaßen, längst abgetötet haben, sondern um die breite Schicht der bürgerlichen Bevölkerung… Sie vertreten die kapitalistisch verzerrte Moral, die ihre wirtschaftlichen Vorteile gegenüber den völlig mittellosen, ausgebeuteten, arbeitenden oder arbeitslosen Bevölkerungsschichten sichert. …Den Gegensatz zwischen Gemeinnutz und Eigennutz halten sie für eine zwar betrübliche, aber selbstverständliche und unabänderliche Tatsache.
    ...Der geschilderten, innerlich so verlogenen Moral mit all ihren, hier nur kurz angedeuteten schädlichen Auswirkungen stellen wir nun die natürliche und sinnvolle Ordnung entgegen, welche die Natürliche Wirtschaftsordnung nicht nur für die wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander darstellt, sondern auch für den Aufbau der Gesellschaft und darüber hinaus jeder menschlichen Gemeinschaft nahe legt."

    Dr. Ernst Winkler (Theorie der Natürlichen Wirtschaftsordnung, 1952)

    Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Begriffsvermögen der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" endgültig zu eliminieren:

    Die Rückkehr ins Paradies

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  3. Ich gaube nicht, dass man das denken, das Verstehen verlernt.
    Manchmal it mn einfach gefagen in einem Strudel aus Emotionen ohne zu wissen wohin sie führen und woher sie kommen. DOch meistens beginnen wir irgendwann sie zu verstehen.. Vielleicht wenn die Emotionen weniger werden oder wenn sie nicht mehr alle auf einmal auf dich einprasseln.

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  4. Ja, irgendwann kommt dieser Moment. Die Frage ist nur: Wann wird er kommen?

    Wer weiß schon wirklich, was richtig oder falsch ist? Wer, außer einem selbst, hat das Recht, das zu beurteilen? Hinfallen, wieder aufstehen, sich die Flügel brechen, von vorne anfangen und wieder fliegen... der Kreislauf des Lebens. Ein immer wiederkehrendes Muster. Gezeichnet, wenn man die Maske fallen gelassen hat und man wirklich ist, wie man ist.

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